Interview mit „Sturm der Liebe“-Chefautorin Claudia Köhler

6. März 2020 um 14:09
„Sturm der Liebe“-Chefautorin Claudia Köhler.  | Bild: ARD/Christof Arnold

Seit Beginn der Serie hat Claudia Köhler als freie Autorin Drehbücher für „Sturm der Liebe“ geschrieben und die Storylines der ARD-Telenovela weiterentwickelt, bevor sie im Oktober zur Chefautorin von „Sturm der Liebe“ berufen wurde. Wir haben mit ihr über den Reiz, für eine Telenovela zu schreiben, und über die Herausforderungen, die ihre neue Stelle mit sich bringt, gesprochen.

Kannst Du Dich noch an die erste Telenovela erinnern, die Du im Fernsehen gesehen hast?
An Telenovelas eher nicht, aber ich habe schon als Kind und Teenager Serien geliebt und liebe sie immer noch. Eine meiner Lieblingsserien war „Die Märchenbraut“. Es ging natürlich um Liebe, um Märchen – fast wie beim „Sturm“. Unsere Serie hat ja auch immer ein bisschen märchenhafte Aspekte.

Was macht für Dich als Autorin den Reiz am Telenovela-Format aus? Unsere Serie wird in einem sehr enggesteckten Rahmen gedreht, anders würde es mit dieser Masse an Szenen nicht funktionieren. Wir produzieren ja eine Folge pro Tag. Das ist einerseits immer wieder eine enorme logistische Herausforderung, auch für die Autoren; andererseits macht das genau den Reiz aus – innerhalb dieser Grenzen immer wieder neue Geschichten zu erfinden. Außerdem liegen bei uns zwischen der Ursprungsidee für eine Folge, über den Dreh bis zur Ausstrahlung nur wenige Wochen und es ist schön, sein Produkt zeitnah auf dem Bildschirm zu sehen. Dadurch können wir schnell feststellen, ob eine Geschichte auch visuell funktioniert und so ist, wie wir sie uns in unseren Köpfen vorgestellt haben.

Welche stürmische Geschichte hast Du in den vergangenen Jahren besonders gerne mitentwickelt?
Ich liebe Liebesgeschichten! Und entwickle sie auch besonders gern. Natürlich faszinieren mich auch Intrigen oder Krimis, wenn Figuren ihre dunklen Seiten zeigen. Aber ich muss gestehen, dass mich Intrigen mehr fordern, weil sie inhaltlich in ihren verschiedenen Facetten sehr komplex zu entwickeln sind. Und Liebe siegt in unserem Format immer, anders als manche Intriganten.

Die Stories sind dem Alltag der ZuschauerInnen sehr nahe, aber dann doch etwas „larger than life“ – wenn wir zum Beispiel die Entführung von Annabelle durch Paul betrachten. Wie wichtig ist dieser Aspekt Deiner Meinung nach für das Telenovela-Genre?
Ich glaube, dass unser Genre zu einem großen Teil davon lebt. Nichts gegen Realismus, aber ich vermute, dass unsere Zuschauer etwas erwarten, was so in ihrem eigenen Leben nicht stattfindet. Wir erlauben unseren Figuren in bestimmten Situationen über Grenzen hinaus zu gehen, die man im realen Leben nicht überschreiten würde – und auch nicht sollte.

Du bist seit Oktober 2019 Chefautorin bei „Sturm der Liebe“. Was war gleich zu Beginn die größte Herausforderung für Dich?
Das waren unsere ersten „Future-Tage“ unter meiner Federführung. Dabei treffen sich die Autoren regelmäßig in einer großen Runde. Wir diskutieren und entscheiden, wie sich die Serie weiterentwickelt und welche Geschichten wir erzählen wollen. Dabei legen wir auch die neuen Hauptgeschichten fest: welche Paare wir in die Krise stürzen und welche wir zusammenbringen. Ich habe mich sehr gefreut, dass meine ersten Geschichten, die wir an diesen Tagen entwickelt haben, sowohl bei der Produktion als auch bei der Redaktion sehr gut angekommen sind.

Welche neuen Hauptaufgaben sind für Dich in Deiner Position als Chefautorin dazugekommen?
Ich bespreche jeden Morgen mit den Kollegen, welche Geschichte wir mit welchen Wendungen erzählen und nehme pro Tag eine Folge ab, aber am eigentlichen Prozess des „Plottens“ (d. h. dem szenischen Entwickeln), bin ich eher weniger beteiligt. Dafür bin ich sehr viel in Besprechungen, weil ich jede Folge vom ersten Entwurf bis zur visuellen Abnahme durch Redaktion und Produktion inhaltlich betreue. Für mich ist es sehr spannend, diesen Entwicklungsprozess auf allen Ebenen zu begleiten.

Welche grundsätzlichen Überlegungen stellst Du als Chefautorin an, wenn es um die Entwicklung der neuen Traumpaar-Geschichte geht? Ich gehe da ganz pragmatisch von mir selbst aus und frage mich, was müssen die Figuren mitbringen, damit ich die Geschichte interessant finde. Was sind ihre Geheimnisse, woraus schöpfen sie Kraft, was stürzt sie in Konflikte? Natürlich haben wir immer äußere Ereignisse wie Krankheiten oder Unfälle, die eine Figur vor existentielle Probleme stellt. Trotzdem fasziniert mich vor allem, was eine Figur im Kern ausmacht, was ihr Wesen ist. Darüber hinaus suchen wir auch immer nach spannenden Konstellationen und Hindernissen, die wir so noch nicht erzählt haben.

Bild: ARD/Christof Arnold

Wie wichtig ist es Deiner Meinung nach, immer wieder Highlights zu setzen wie die Musicalfolge zum zehnjährigen Jubiläum 2015 oder den Dreh zur 3333?
Wir wollen solche Highlights, um dem Zuschauer auch visuell immer wieder etwas Spektakuläres zu bieten, was in unserem Format nicht ganz einfach ist. Gerade bei dem straffen Drehpensum, das die Produktion jede Woche absolvieren muss, sind solche Specials eine Herausforderung, auch für die Schauspieler. Das Ergebnis sind besonders aufwändige und hoffentlich schöne Folgen für den Zuschauer. Dann hat sich jede Mühe gelohnt.

Das Interview führte Susanne Engstle für DasErste.de