Die Kameraden sinken hinab

22. Oktober 1914 um 12:21

„Zu viert tragen wir in einer Zeltplane die toten Kameraden zum Grab, senken sie vorsichtig, als könnten wir die steife Last noch beschädigen, hinab.

Wieder und wieder holen wir und senken hinab. Der Letzte ist der Größte; ein junger, baumlanger Freiwilliger, mit zerrissenem Leib. Ein Knabengesicht mit langem Blondhaar.

Dann sollen wir die Erde draufwerfen. Wir können nicht. Es tut uns weh, die Erde auf die Körper zu werfen.“

aus dem Tagebuch eines 16-jährigen Soldaten

Verderb des Genies

23. April 1905 um 13:07

„Ein Bekannter meines Freundes Ernst Balcke, mir auch gut bekannt, beging Selbstmord. Er war einer der klügsten Menschen, die ich kenne. Er erfand in einsamen Nächten schon ganze mathematische Sätze. Dafür war er an der Schule durchaus ungenügend, trotzdem er seine Mitglieder an Schärfe des Verstandes weit überragte. Ich glaube, diese Schule ist der Verderb jeden Genies. Dieser Vogel starb. Er ging wunschlos aus dem Leben fort in das ‚graue Nichts‘ wie er sagte.“

Tagebuch Georg Heym, 17, Gymnasiast, später Dichter